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Nutzung und Eigenproduktion von Online-Lernangeboten - Teil 4 der Serie "Neue digitale Lernformen in Unternehmen"

Nutzung und Eigenproduktion von Online-Lernangeboten - Teil 4 der Serie "Neue digitale Lernformen in Unternehmen"

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Vorteile von Online-Lernangeboten

Der Innovationszyklus in Unternehmen wird immer schneller. So werden beispielsweise oft neue Werkzeuge eingesetzt und regelmäßig neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt und den Kunden angeboten. Damit entsteht ein hoher Bedarf die betroffenen Mitarbeiter zur kontinuierlichen Weiterbildung. Vertriebsmitarbeiter müssen beispielsweise regelmäßig geschult werden, um Kundenanfragen zu neuen Produkten schnell und korrekt beantworten zu können.

Präsenzschulungen sind eine Möglichkeit diesem Bedarf nachzukommen. Sie verursachen aber oft eine Abwesenheit der Mitarbeiter vom Arbeitsplatz, so dass diese ihrer regulären Tätigkeit nicht nachkommen können. Zusätzlich entstehen Reisekosten, wenn Mitarbeiter unterschiedlicher Standorte eine Weiterbildung an einem zentralen Ort besuchen. Insbesondere für zeitlich weniger umfangreiche Schulungen stehen Aufwand und Nutzen der Präsenzschulung in einem Missverhältnis. Online-Lernangebote haben den großen Vorteil, dass sich die Mitarbeiter neues Wissen selbständig aneignen können. Dies kann direkt am Arbeitsplatz geschehen und die Zeiteinteilung ist überaus flexibel.

Formen von Selbstlernmaterialien

Die derzeit am weitesten verbreiteten Formen von Selbstlernmaterialien sind Web-Based Trainings (WBTs) und auf Video aufgezeichnete Vorträge. Web-Based Trainings sind über einen Webserver abrufbare Lerneinheiten mit interaktiven Elementen. Diese sind im Gegensatz zu Büchern mit Videos, Animationen, Audioformaten oder Spielen interaktiv ergänzt. Durch die Integration von Wissenstests in WBTs können Lernende ihren Lernfortschritt regelmäßig überprüfen. Aufgrund der Bereitstellung über das Web entstehen zudem keine Kosten für eine Vervielfältigung und den Versand von Datenträgern wie DVDs und eine Aktualisierung der Materialien ist laufend möglich.

Aufgezeichnete Vorträge kombinieren heute sehr häufig ein Bild oder Video des Referenten mit der Tonaufnahme des Vortrags und den gezeigten Präsentationen. So kann ein einmal in Präsenz gehaltener Vortrag weiteren Teilnehmern flexibel zur Verfügung gestellt werden.

Selbstlernmaterialien bieten Mitarbeitern die Möglichkeit, sich selbstbestimmt und im eigenen Lerntempo Wissen anzueignen. Mit Hilfe von Selbstlernmaterialien kann auch eine kontinuierliche Weiterbildung stattfinden. Im Gegensatz zu Präsenzschulungen bieten sie aber in einer isolierten Nutzung keine Möglichkeit des Austausches mit dem Dozenten z.B. in der Form Fragen zu stellen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Die Hager Vertriebsgesellschaft, ein Anbieter von Komponenten für die Elektroinstallation, setzt Web-Based Trainings ein, um verschiedene Zielgruppe, unter anderem Mitarbeiter und Kunden, zu schulen. Das Web-Based Training "Beleuchtungssteuerung & Dimmer" vermittelt dem Lerner Grundlagenwissen zum Thema Beleuchtungssteuerung, behandelt aktuelle Herausforderungen beim Dimmen von Leuchtmitteln und zeigt, welche Lösungen Hager hierfür bereithält. Durch zahlreiche Übungen und Planungsbeispiele wird der Lernende zum aktiven Mitmachen animiert und kann das Thema anhand einer konkreten Story nachvollziehen.

Eigenproduktion oder Fremderstellung von Selbstlernmaterialien

Wollen Sie Ihren Mitarbeiterinnen Selbstlernmaterialien zur Verfügung stellen, so stellt sich die Frage nach der Produktion dieser Materialien. Zunächst sollten Sie prüfen, ob es nicht bereits auf dem Weiterbildungsmarkt ein Angebot gibt. Ein solches gibt es sehr häufig zur Vermittlung von IT Kompetenzen, im kaufmännischen Bereich oder auch zur Vermittlung von sogenannten Softskills, insbesondere von Fremdsprachenkenntnissen.

Eine Alternative zu traditionellen Weiterbildungsangeboten stellen auch die sogenannten Massive Open Online Courses (MOOCs) dar. Diese offene Form der Online-Kurse, an denen eine große Zahl an Personen teilnehmen kann, vermitteln verschiedenste Themen aus dem akademischen Bereich - von der Personalführung bis hin zu speziellen wie Regressionsmodelle oder mikroökonomische Prinzipien. In einzelnen Videosequenzen vermitteln Lehrende Inhalte zu bestimmten Themenabschnitten. Weiterhin sind weiterführende Lerninhalte, Wissenstests und Übungen integriert. Häufig besteht die  Möglichkeit des Erwerbs eines kostenpflichtigen Zertifikats für die Teilnahme an einem Kurs. Große Anbieter von MOOCs sind beispielsweise Coursera, OpenCourseWorld, Iversity und Khan Academy.

Wenn Sie allerdings unternehmensspezifisches Wissen mittels Selbstlernmaterialien vermitteln wollen, werden Sie nicht umhin kommen, diese zu produzieren oder im Auftrag erstellen zu lassen. Insbesondere zur Erstellung von WBTs fehlt Unternehmen zumeist die fachliche Expertise, um Selbstlernmaterialien im eigenen Unternehmen produzieren zu lassen. Für die Erstellung guter Selbstlernmaterialien sind die Didaktik und Methodik sowie die Art der Mediengestaltung zu berücksichtigen. Für den Umgang mit einem Autorenwerkzeug zur Erstellung von Selbstlernmaterialien werden häufig IT-Kenntnisse benötigt. Folglich greifen Unternehmen häufig auf externe Anbieter zurück. Dabei ist es sinnvoll, die Lerninhalte im Unternehmen vor der Produktion vorzubereiten und diese durch einen externen Anbieter umsetzen zu lassen. Es ist wichtig, die Lernziele, die Anforderungen der Zielgruppe, die Rahmenbedingungen und die Lernsituation zu bestimmen, da diese Faktoren Einfluss auf die Gestaltung der Selbstlernmaterialien haben.

 

Der vorliegende eBusiness-Leitfaden „Firmenspezifische Selbstlernmaterialien“ gibt eine Einführung in die Thematik, stellt Vorteile und Nachteile dar, beschreibt Beispiele aus der Praxis und zeigt auf, wie man auch im Unternehmen Selbstlernmaterialien produzieren kann.

 

 
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