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Erfolgreiches Wissensmanagement am Beispiel des Mittelständlers Kristronics GmbH

Erfolgreiches Wissensmanagement am Beispiel des Mittelständlers Kristronics GmbH

Kristronics GmbH ist ein innovatives Elektronik-Unternehmen, das Entwicklungs-, Produktions- und Logistikdienstleistungen in den Segmenten Automotive, Industrie-Elektronik und Life Sciences anbietet. Das Unternehmen hat ca. 160 Mitarbeiter und sitzt in Harrislee in der Nähe von Flensburg. Ich habe Bernd Molter, den Leiter der Entwicklung der Kristronics GmbH, zu seinen Erfahrungen zu Wissensmanagement befragt. Im Rahmen des Förderprojekts Prowis : Prozessorientiertes und –integriertes Wissensmanagement in KMU wurden Schwachstellen insbesondere in den Kommunikationskanälen in Folge einer Neuorganisation im Unternehmen entdeckt. Durch die Altersstruktur des Unternehmens, die einen deutlichen Schwerpunkt in den 60er Jahrgängen aufweist, war die Motivation entstanden, Wissen zu dokumentieren und weiterzugeben.

Welche Werkzeuge oder Methoden setzen Sie im Wissensmanagement ein?

Bernd Molter

Bernd Molter: Eine Analyse der Schwachstellen und Prozesse fand mit Hilfe des GPO-WM Audits statt. Es stellte sich die Frage: Was wollen wir tun? Anhand dieser Überlegungen wurden die einzelnen Bestandteile geplant und priorisiert. Die Dokumentenstruktur wurde auf den Fileservern geordnet. Die Prozesse wurden im Hinblick auf die Schnittstellen zwischen den Abteilungen optimiert. Im Anschluss an das Prowis Projekt hatten 4-5 Firmen den Wunsch, ein Wiki aufzusetzen. In Rahmen eines zweiten Förderprojektes „ICKE 2.0“ haben wir dann ein Doku-Wiki eingeführt.

In welchen Bereichen Ihres Unternehmens und zu welchen Themen werden diese Werkzeuge bzw. Methoden genutzt?

Bernd Molter: Das Wissensmanagement-Projekt wurde in Form eines Pilotprojekts im Entwicklungsbereich durchgeführt, da dies der affinste Bereich ist und die meiste Bewegungen in den Daten und Prozessen dort vorhanden sind. Die Themen waren Optimierung der Prozesse und Herstellen von Transparenz, insbesondere in der Schnittstelle zwischen Vertrieb und Engineering. In der Angebotsphase wurde beispielsweise die Zusammenarbeit verbessert. Als nächst größere Maßnahme ist die Einführung des Wikis zu nennen, um das Wissen der Mitarbeiter zu erfassen. Im Nachgang haben wir unsere gesamte QM-Dokumentation auf eine transparentere graphische Darstellung mit Swim-Lane Diagrammen umgestellt.

Worauf sollten KMU Ihrer Meinung bei der Einführung von Wissensmanagement achten? Wo können Schwierigkeiten liegen?

Bernd Molter: Man sollte eine ausgeprägte Analyse durchführen, dies fand ich sehr positiv. Dabei sollten die Mitarbeiter die Gelegenheit haben von selbst darauf zu kommen, wo Verbesserungspotenzial besteht und was sie verbessern möchten, statt „von oben“ Maßnahmen zu diktieren. Es sollte nicht zu viele Arbeitsfelder gleichzeitig in Angriff genommen werden, so dass die Umsetzung machbar bleibt. Können die angestrebten Veränderungen nämlich nicht zeitnah realisiert werden, führt dies schnell zu Ernüchterung und Frustration bei den Mitarbeitern.

Die Mitarbeiter sollten den kurzfristigen Nutzen von Wissensmanagement-Technologien erkennen können. Für die Akzeptanz ist auch viel Werbung für das Projekt und Motivation erforderlich.

Wissensmanagement-Projekte brauchen nach meiner Erfahrung einen Promotor aus der Geschäftsleitung, weil sonst das kundengetriebene Tagesgeschäft in der Regel höher priorisiert wird als zusätzliche Wissensmanagement-Projekte. Die Mitarbeiter haben oft keine Zeit, Artikel zu verfassen, da sie sich zunächst um ihre Projekte kümmern müssen. Aus diesem Grund ist Rückendeckung  von der Geschäftsleitung wichtig, um sicherzustellen, dass übergeordnete Ziele auch mit einer gewissen Priorität bearbeitet werden.

Der Begriff „Wissensmanagement“ ist für die Mitarbeiter eventuell unbekannt und könnte deshalb zu einer ablehnenden Haltung führen. Eine Eingliederung des Wissensmanagements in unser Qualitätsmanagement im Rahmen der kontinuierlichen Verbesserung wäre denkbar und sollte aus meiner Sicht angestrebt werden. Der offene Austausch mit anderen Unternehmen im Prowis Projekt war sehr anregend, da gemeinsame Probleme erkannt und diskutiert wurden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Möchten Sie mehr über erfolgreiches Wissensmanagement bei der Kristronics GmbH erfahren?  Hier finden Sie die vollständige Fassung des Interviews mit Bernd Molter.

Bildquelle: Kristronics GmbH

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