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Malen und Zahlen - Volker Geyer von "Malerische Wohnideen" gewinnt zwei Drittel seiner Kunden im Social Web

Malen und Zahlen - Volker Geyer von "Malerische Wohnideen" gewinnt zwei Drittel seiner Kunden im Social Web

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Wohnideen
 
Das Handwerk und die Online-Welt haben sich noch nicht so richtig gefunden. Eine kürzlich veröffentliche Studie bescheinigt, dass weniger als die Hälfte der deutschen Handwerksbetriebe im Internet vertreten sind. Dabei suchen 80% der 18-39-Jährigen im Internet nach Infos zu Handwerksthemen. Größtes Problem: Fehlendes Personal und keine finanziellen Ressourcen. Jemand der rausgefunden hat, wie’s geht, ist Volker Geyer von „Malerische Wohnideen“. Einen großen Teil seiner Kunden gewinnt er mittlerweile durch Webseite, Blog und Social-Media-Kanäle. Mit Herrn Geyer sprechen wir über seine Kommunikationsstrategie.
 
 
>> Herr Geyer, Sie führen einen erfolgreichen Blog, der Mittelpunt ihrer Online-Strategie. Wie sind sie damals gestartet?
 
<< Aufgrund meiner Neugier habe ich bereits vor über 10 Jahren das Internet als Marketing-Instrument für uns entdeckt und schon ab 2005 eigene Newsletter mit Verlinkungen versendet. Damals war alles noch sehr umständlich, heute ist das Netz viel einsteigerfreundlicher. Mein Ziel war bald, im Netz professioneller zu werden, insbesondere, was die Präsentation unserer Produkte und Dienstleistungen angeht. 
 
>> Sie machen vor allem Wandgestaltungen?
 
<< Genau. Wandgestaltung ist ein Thema, bei dem ein Bild mehr sagt als tausend Worte.  Die Vielfalt und die Qualität, die wir liefern können, wollte ich im Internet zeigen. Wir brauchten damals allerdings eine neue Webseite. Ich wusste, mit der alten Seite konnten wir unsere gesteckten Ziele nicht erreichen, sie war außerdem zu umständlich in der Bedienung. Anfang 2010 haben wir uns entschlossen, eine neue Seite aufzubauen. Im Februar 2010 begann ich, die ersten Ideen dafür zu entwickeln.
 
>> Wie sind Sie dabei vorgegangen?
 
<< Im Zentrum stand der Wunsch, unsere Produkte noch besser zu präsentieren. Dafür habe ich mir professionelle Hilfe bei einer kleinen Web-Agentur gesucht. Schließlich haben wir einen Internet-Showroom entwickelt, der die Wandgestaltungen ansprechend in Szene setzt.  Der Blog kam erst ein paar Monate später dazu.
 
>> Mit welchem Ziel haben sie das neue Konzept entwickelt?
 
<< Ich wollte auf der neuen Seite deutlich machen, dass wir individuelle und hochwertige Wandgestaltungen ausführen. Zu unseren Leistungsthemen gehören unter anderem Betonoptik, Deckenbemalung, fugenlose Bäder, Stuckdesign, Tapetendesign etc. Zu jedem Thema haben wir ganz gezielt sogenannte „Landing-Pages“ ins Netz gestellt. Der  Google-Suchende findet uns nicht unter dem Begriff Maler, daran haben wir auch kein Interesse, sondern er findet uns zu diesen ganz speziellen Themen. Maler ist kein Alleinstellungsmerkmal. Man steht damit mittlerweile online genauso im Wettbewerb, wie offline. In unserer Region Rhein-Main gibt es viele Maler, unter diesem Suchbegriff muss man uns nicht auch noch finden. Wir konzentrieren uns auf unser Alleinstellungsmerkmal. Wir sind Wandgestaltungsexperten, darauf lenke ich den Fokus unserer gesamten Unternehmenskommunikation. Mittlerweile haben wir uns als Experten in unserem Markt sehr gut positionieren können.
 
>> Welche Rolle spielt der Blog dabei?
 
<< Mittlerweile eine sehr wesentliche Rolle. 2010 habe ich den Blog eingerichtet, eigentlich weil ich bei Twitter mit einem Account starten wollte. Ich bekam über diverse Erfahrungsberichte mit, dass man über Twitter viele Kontakte aufbauen und diese von dort aus auf seine eigene Webseite lenken könne. Ich brauchte also möglichst viele Inhalte auf meiner Webseite, um möglichst viele Kurznachrichten („Tweets“) mit Verlinkung auf unsere neue Webseite versenden zu können. Mein Plan war, viele gute Inhalte zu säen und damit viele interessante Besucher für unsere Seite zu ernten. So kam ich auf die Idee, einen Blog einzurichten. Mittlerweile ist er sozusagen meine „digitale Heimat“, eine Art Portal in die Social-Media-Welt für unser kleines Handwerksunternehmen. Die Interaktion zu meinen Artikeln findet dann häufig in den verschiedenen Social-Media-Kanälen statt, nicht überwiegend im Blog direkt.
 
>> Haben Sie einen Redaktionsplan für Ihren Blog?
 
<< Ja, den finde ich wichtig, zumindest in Grobstruktur. Ich habe mir eine Über- und Voraussicht geschaffen, die ich regelmäßig fortschreibe. Hierin enthalten sind die künftigen Blogthemen und Facebook-Postings, wann und in welcher Reihenfolge ich diese plane zu veröffentlichen und über welche Kanäle. Diesen Redaktionsplan brauche ich im Prinzip „nur“ abzuarbeiten.  
 
>> Wie sieht der Plan denn genau aus?
 
<< Es gibt verschiedene Oberthemen, die ich abdecken will. Zum einen möchte ich unsere Produkte und unsere Projekte zeigen, das heißt, ich brauche viele gute Bilder. Zum anderen möchte ich unsere hervorragenden Mitarbeiter ins Licht stellen und lobend erwähnen. Dafür habe ich eine Rubrik „Reportage von der Baustelle“ eingerichtet. Ich möchte außerdem über meine Social-Media-Aktivitäten schreiben und über unsere Kunden und Aufträge berichten. Das sind die vier Oberthemen, um die ich meine Inhalte plane.
 
>> Vielen Unternehmern fällt genau das schwer – den „kleinen Reporter“ im Kopf anzuknipsen. Haben Sie Tipps?
 
<< Ich versuche immer, eine gewisse Abwechslung im Redaktionsplan zu haben. Ich würde jetzt nicht eine Woche lang über den gleichen Bereich schreiben. Dann wird es schnell langweilig. Mein Grundgedanke bei der Themenwahl- und Themenaufbereitung ist immer: Ich mache das für den Leser. Es muss bunt sein und abwechslungsreich, die meisten Beiträge werden in Geschichten verpackt. Mal zum Schmunzeln, mal mit etwas Spannung und manchmal steht auch nur die Information im Vordergrund.
 
>> Haben Sie das „Geschichten erzählen“ mittlerweile einfach im Blut?
 
<< Es hat sich entwickelt, dass ich im Arbeitsalltag immer Augen und Ohren offen habe für neue Themen. Mit etwas Übung fallen einem da im gewohnten Alltag sehr viele Dinge auf, über die man hervorragend berichten kann. Ich bin jederzeit irgendwie im „Reportermodus“. Früher dachte ich, es muss immer etwas „großes“ oder „wichtiges“ sein, worüber man schreibt. Aber häufig ist das Gegenteil der Fall. Die kleinen Geschichten des Alltags interessieren die Leser häufig viel mehr und motivieren deutlich öfter zur Interaktion.
 
>> Das hat alles Hand und Fuß, Herr Geyer – haben sie sich das alles alleine angeeignet und umgesetzt?
 
<< Ich mag keine halben Sachen. Bei der Technik und Konzeption arbeite ich mit einer Web-Agentur zusammen. Eine gute Technik, gutes Handling und gutes Design ist ein Teil der Basis für den Erfolg, hier sollte man nicht am falschen Ende sparen. Wenn die Webseite aussieht wie aus den späten 90ern, wird es deutlich schwerer mit dem Erfolg. Unsere komplette Seite ist jetzt zum Beispiel auch für mobile Endgeräte optimiert. 
 
>> Und die Social-Media-Strategie?
 
<< Die ist in meinem Kopf, in meinem Bauch und mit der entsprechenden Leidenschaft über die drei Jahre gewachsen. Vieles habe ich in dieser Zeit  ausprobiert. Auch habe ich nach und nach einiges über Social-Media-Strategien gelesen. 2005 bin ich mit einem Account bei XING, damals noch Open-BC, als Greenhorn eingestiegen. Dort habe ich gelernt, dass man in den sozialen Medien auch ein bisschen was machen muss, damit man Aufmerksamkeit bekommt. Von selbst passiert nichts. Es ist wie im richtigen Leben.
 
>> Sie sind auch recht erfolgreich auf Facebook aktiv – wo sehen Sie denn den wesentlichen Unterschied zu Ihrem Blog.
 
<< Facebook ist für mich eine Bühne. Gefühlt führen wir dort ein buntes Theaterstück auf und interagieren mit den Zuschauern, die zum Teil unsere Kunden sind, über die Inhalte. Facebook ist für mich zudem ein Stimmungsbarometer, wenn es um neue Designs geht. Schnell merke ich, ob wir mit neuen Gestaltungen den Geschmack der Menschen treffen, oder nicht. Daraus ziehe ich durchaus auch strategische Schlüsse für die Weiterentwicklung unserer Oberflächengestaltungen. Facebook generiert aber auch Aufmerksamkeit für meinen Blog und die Webseite. Unsere Facebook-Besucher landen automatisch irgendwann auf meinem Blog, auf unserer Webseite und schließlich in unserem Showroom. Facebook und Blog ergänzen und unterstützen sich gegenseitig. Im Blog kann ich die Länge meiner Beiträge wählen, wie ich möchte. Auf Facebook und insbesondere auf Twitter ist der Beitragsplatz zum Teil sehr begrenzt. Richtig getextete Inhalte in einem Blog beeinflussen das Ranking auf Google zum Teil erheblich. Das bietet eine Seite auf Facebook leider weniger. 
 
>> Ein weiterer Vorteil: Die Inhalte gehören Ihnen.
 
<< Absolut. Wenn Facebook mal als Plattform verschwindet, dann sind einige Jahre an Kommunikationsarbeit futsch. Das macht den Blog so wichtig. Der ist auch ein Archiv für unsere Unternehmensgeschichte.
 
>> Viele Unternehmer wollen kein Social Media machen, da sie Angst vor Kritik haben. Ist das für Sie nachvollziehbar?
 
<< Nein, das kann ich nicht nachvollziehen. Sachliche Kritik ist doch etwas Positives, sie regt zum Überdenken an. Unsachliche negative Kritik hatten wir in drei Jahren bei nun über 50.000 Social-Media-Kontakten in drei Fällen. Diese drei Fälle haben wir intelligent mit einem kurzen Kommentar aufgelöst. Ich selbst greife -auch in Extremsituationen- niemanden mit irgendwelchen emotionalen Formulierungen an. Die Qualität unserer Arbeit beim Kunden ist gut, wir kommunizieren positiv, sind freundlich, arbeiten sauber, sind pünktlich, loyal und fair. Wir bieten also keine Angriffsfläche für Hardcore-Kommentare, aus denen wir nicht mehr herauskämen. 100% ausschließen kann man aber nichts.
 
>> Wie sind sie mit den negativen Kommentaren umgegangen?
 
<< Rauslöschen geht gar nicht. Im ersten Moment möchte man aus der Haut fahren. Besser ist es jedoch, man beruhigt sich erst mal, schläft vielleicht eine Nacht darüber. Und dann überlege ich mir, wie ich mit zwei bis drei intelligenten, positiven Sätzen darauf reagieren kann. Und zwar so, dass andere Leser denken, „boah, da hat er aber souverän drauf reagiert.“ So kann man Kritik auch als Chance nutzen. Mittlerweile habe ich zahlreiche Freunde, die mich in diesen wenigen Negativsituationen mit ihren Kommentaren vehement verteidigen, selbst wenn ich nichts dazu kommentiere.
 
>> Und im Zweifelsfall kann man einen Fehler ja auch einfach mal zu geben – das ist nur menschlich.
 
<< Wenn ich Fehler mache, dann schreibe ich oft von selbst darüber im Netz. Das gehört dazu. Das ist authentisch, echt und vor allem auch ehrlich. Und meist wird daraus eine interessante Geschichte in meinem Blog, die sehr oft gelesen wird und dadurch entsprechende Aufmerksamkeit erzielt. Fehler bieten Chancen, die genutzt werden wollen.
 
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