SOCIAL MEDIA & E-LEARNING

Auf der Überholspur: Fahrschule Schnücker bei Facebook

Auf der Überholspur: Fahrschule Schnücker bei Facebook

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Wenn dem Fahrlehrer Jan Schnücker bei einer seiner Arbeitsfahrten jemand hinten drauf fährt, zückt er erstmal sein Smartphone und macht ein Foto. Nicht etwa für die Polizei, wie man meinen sollte, sondern für Facebook. Zusammen mit dem Kommentar "Volltreffer! Aber keine Sorge: Alle Insassen sind unverletzt" lädt er das Bild auf seine Unternehmensseite hoch. Was er sich davon verspricht und wie er dabei vorgeht, erklärt er in unserem Praktiker-Interview.
 
>> Herr Schnücker, was haben Sie davon, wenn Sie Unfallbilder auf Facebook hochladen?
 
<< Mir ging es in erster Linie darum, die "neuen Medien" so zu nutzen wie es unsere Fahrschüler tun würden. Zum Zeitpunkt des Unfalls war in der nahegelegenen Schule gerade Schulschluss und viele Schüler nahmen diesen Weg nach Hause. Da lag es nahe den "Gerüchten" von Anfang an das Wasser abzugraben und durch frontale Information sofort für Klarheit zu sorgen.
 
>> Normalerweise setzen Unternehmer in Social Media auf Kundenbindung - die ist bei einer Fahrschule aber nicht so wichtig wie die Neukundenakquise, oder? Die Kunden kommen ja nur einmal zu Ihnen. Welches Ziel verfolgen Sie also mit Ihrer Facebook-Seite?
 
<< Über Facebook machen wir auf die Erlebnisse mit und bei uns aufmerksam und versuchen einen Draht zu unseren ehemaligen und eventuell auch zukünftigen Fahrschülern aufzubauen. Wir informieren über Neuigkeiten bei uns, sprechen aktuelle Themen aus den Lebenswelten der Fahrschüler an. Wir versuchen gemeinsam mit unseren Schülern Spaß zu haben.
 
>> Aber wie bringt Ihnen das neue Fahrschüler?
 
<< Kundenbindung ist für uns auch Neukundenakquise. Es gibt für uns keine bessere Werbung als Mundpropaganda. Wenn die Leute mit uns zufrieden waren erzählen sie es ihren Freunden, waren sie es nicht, natürlich auch.
 
>> Sie arbeiten sehr eng an Ihrer Kundschaft – wie ist es da mit dem Datenschutz?
 
<< Natürlich haben wir eine Verantwortung gegenüber unseren Schülern, deshalb nutzen wir zum Beispiel immer nur Vornamen, wenn wir Schülern gratulieren. Sollte sich der "betroffene Schüler“ unter einem Post zu Wort melden, ist dies seine eigene freie Entscheidung. Wir nehmen Datenschutz ernst und leiten natürlich keinerlei Informationen, die wir über Facebook oder andere Quellen erhalten, an irgendeine andere Stelle weiter. Außerdem, und das ist uns extrem wichtig, finden Sie auf unserer Seite nur positive Nachrichten über unsere Fahrschüler. Das "durch die Prüfung fallen" ist zum Beispiel kein sonderlich schönes Thema, das treten wir auch nicht breit.
 
>> Eine Fahrschule kennt ja fast jeder von innen - viele assoziieren wahrscheinlich sowas wie „teuer“ und "muss halt sein". Welche Resonanz bekommen Sie von Ihren Kunden?
 
<< Die Resonanz auf uns und unsere Arbeit ist durchaus positiv. Vorurteilen und einem negativen Image begegnen wir mit Aktionen wie unseren Ferienkursen, einem Online-Lernangebot, einem modernen Fuhrpark und der absoluten Hingabe zu unserem Beruf. Außerdem haben wir für unsere Fahrschüler den "offenen Helm" - sie wissen zu jederzeit, was wir von ihnen wollen, und wir sind bei Fragen und Sorgen immer ansprechbar. Facebook als Kommunikationsplattform passt deshalb perfekt zu unserer Unternehmenskultur und unterstützt unseren Ansatz, möglichst offenherzig aufzutreten.
 
>> Hatten Sie mal Probleme mit Fahrschülern, die vielleicht nicht zufrieden waren oder durch die Prüfung gefallen sind, um sich dann anschließend auf Facebook Luft zu machen? Wie gehen Sie damit um?
 
<< Soweit es uns bekannt ist, sind unsere Fahrschüler zufrieden, über unsere Facebook-Seite haben wir noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Natürlich läuft im Alltagsgeschäft nicht immer alles reibungslos, was schade ist. Aber wie die Fahrschüler diese Erfahrung dann weitergeben, wissen wir nicht genau. Über Facebook beschweren sie sich bisher jedenfalls nicht. 
 
Wenn es mal zum Ernstfall kommt: anonyme Kritik werden wir nicht beantworten und wir lassen uns auch nicht provozieren. Beleidigungen oder rassistische/ homophobe oder sonstige verletzende Nachrichten werden natürlich umgehend aus unseren Seiten entfernt. Ebenso wie unerlaubte Werbung oder wenn jemand unser Bildmaterial für eigene Zwecke nutzt.
 
>> Welche Rolle spielt Ihre Webseite im Kontext Ihrer Kommunikationsaktivitäten? Sie haben ja einen Eintrag bei Google Places/Google Maps und verlinken dort direkt auf Facebook und nicht auf Ihre Webseite. 
 
<< Facebook ist der Ort an dem die Fahrschüler sind, also gehen wir dorthin. Die klassische Webseite hat für unsere Zwecke lediglich einen geringeren Stellenwert als das zurzeit angesagteste Netzwerk. Mal sehen wo dies in fünf Jahren ist, im Moment ist es eben Facebook. Wir haben schon erfolgreich neue Kunden über Facebook bekommen und auch der kurze Dienstweg ist ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern, die nicht einmal eine Webseite geschweige denn eine Email-Adresse besitzen. 
 
>> Setzen Sie auch auf klassische Marketing-Kanäle (bspw. Anzeige in der Zeitung, Werbeplakat) und können Sie einschätzen, welchen Nutzen die einzelnen Kanäle bringen?
 
<< Leider haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir gerade im Printbereich keinerlei messbare Wirkung erzielen. Die Reaktionen auf Printwerbung oder Flyer liegt bei null.
 
 
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